Allgemein

Die Tibetische Medizin ist ein in Tibet entwickeltes Heilsystem, dessen medizinische Grundlagen auf das 7.Jahrhundert zurück zu führen sind. Zur Zeit des Königs Song Tsen Gampo setzte ein reger Austausch mit den Ärzten aus den Nachbarländern ein. Die indische (Ayurveda), die chinesische als auch die islamische Medizin befanden sich auf ihrem Höhepunkt ihrer Entwicklung. Dadurch konnte die tibetische Medizin das Beste ihrer Zeit zusammenfassen und so entstanden die Gyü-shi,(Tantras der Medizin) was soviel heisst wie „geheime mündliche Unterweisung, über die die acht Zweige der Heilkunst.“ Sie enthalten 156 Kapitel mit 5900 Versen. 1600 Krankheiten und 2293 Heilmittelzutaten werden erklärt.

Die Krankheitslehre und besonders die Vorstellung, dass die wichtigste Krankheitsursache in den drei Geistesgiften zu suchen ist, gründet auf der Lehre von Buddha. Die enge Verbindung von Medizin und spirituellem Kern macht die Tibetische Medizin zu einem einzigartigen Heilsystem. Wer mit dieser Denkweise nicht vertraut ist, sieht sich einer ungewohnten Thematik von Krankheit und Heilung gegenüber, er sieht sich einer Fülle von sehr andersartigen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten gegenüber.

Die Wirkungsmechanismen der tibetischen Medizin sind bisher noch nicht vollständig wissenschaftlich beweisbar gewesen. Jedoch viele der Heilkräuter, mit ihren wirksamen Bestandteilen, sind auch im Westen bekannt. Manche Mischungen haben sich als hoch wirksam erwiesen und werden daher von pharmazeutischen Laboratorien weiter untersucht.

Die Tibetische Medizin wird nicht nur in Tibet praktiziert, sondern auch in den angrenzenden chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan, Yunnan, und in den benachbarten Ländern Bhutan, Nepal, Ladakh und Sikkim (Indien). Nach der chinesischen Besetzung von Tibet im Jahre 1950 breitete sich die Tibetische Medizin auch auf Indien, und von da nach Europa und Amerika aus.